Die Vice-Versa-Werkstatt für die Sprachrichtung Deutsch ˂˃ Bosnisch/Kroatisch/Montenegrinisch/Serbisch fand im November 2025 nach Stationen in Serbien, Deutschland und Kroatien erstmals in Österreich, und zwar im niederösterreichischen Ysper statt. Gemeinsam mit Kolleg*innen aus Bosnien, Kroatien, Serbien, Deutschland und der Schweiz durfte ich eine intensive und inspirierende Woche im Landhotel Yspertal verbringen – das neben ausgezeichneter Verpflegung auch den perfekten Rahmen für fokussierte Textarbeit einerseits sowie gemütlichen Austausch andererseits bot.
Die Gruppe setzte sich aus zehn Kolleg*innen zusammen, jeweils fünf aus der einen, fünf aus der anderen Sprachrichtung. Besonders bereichernd war, dass wir sowohl von Alter und Übersetzungserfahrung, als auch von der Herkunft her bunt gemischt waren, wodurch wir in kollegialer Atmosphäre viel voneinander lernen konnten. Moderiert von Helen Sinković und Brigitte Döbert widmeten wir uns intensiv unseren in Arbeit befindlichen Übersetzungen, die wir jeweils für etwa 2,5 Stunden zur Diskussion stellten. Und wie wertvoll diese Diskussionen waren, zeigte sich schnell. Egal, ob es um häufige syntaktische Strukturen, Tempus, Realia, die Übertragung von Umgangssprache, belasteten Begriffen oder um sich wandelnde Konventionen beim Übersetzen ging – es waren durchwegs spannende und praxisrelevante Themen, und die Textkritik war stets konstruktiv und wertschätzend. Eine sprachenspezifische Werkstatt wie Vice-Versa bietet eben die seltene und wunderbare Gelegenheit, die Besonderheiten beim Übersetzen aus einer bestimmten Sprache ausführlich zu beleuchten. Nicht zuletzt war es auch eine schöne Gelegenheit, neue Kontakte zu knüpfen, aktive Sprachkenntnisse aufzufrischen und interessante Gespräche „unter Unseresgleichen“ zu führen.
Nach vier vollen Seminartagen brachte uns der Bus von Ysper direkt zur Buch Wien, wo der gemeinsame Besuch der Traduki-Veranstaltung zum Literaturübersetzen aus Südosteuropa mit unseren Kolleginnen Brigitte Döbert und Elvira Veselinovic einen schönen Abschluss bildete.
Rebekka Zeinzinger, Dezember 2025
