Am Samstag, den 5. Juli, ist Johanna Borek verstorben. Sie war eine sehr geschätzte Kollegin und jahrelanges Mitglied im Vorstand unseres Vereins.
Johanna hat uns bis zum Schluss begleitet, wenn sie auch in letzter Zeit nur noch per Zoom an den Sitzungen teilnehmen konnte oder sich per Mail zu Wort gemeldet hat. Sie hat unsere Interessen in diversen Gremien vertreten, hat Gutachten verfasst, Vorträge gehalten usw., und sie hatte immer eine klare Position, die sie pointiert vertreten hat.
Johanna war leidenschaftliche Literaturwissenschaftlerin und Übersetzerin. Sie hat u.a. an der Romanistik der Uni Wien gelehrt und Literatur aus dem Französischen und Italienischen übersetzt. Zu den von ihr übersetzten Autoren zählen Denis Diderot, André Gide, Luigi Pirandello und Dario Fo. 1994 wurde sie mit dem Österreichischen Staatspreis für literarische Übersetzung ausgezeichnet.
Sie hat zur Literatur und Philosophie der europäischen Aufklärung (u.a. Denis Diderot, Rowohlt 2000), zur italienischen Kultur und Politik im 20. Jahrhundert (Gramsci, Pasolini) und zur Kulturtheorie und Geschichte des Übersetzens publiziert. 2009 organisierte sie in Wien die sehr erfolgreiche Konferenz „Übersetzen im Mittelmeerraum – Dekonstruktionen von Okzident und Orient“ im Rahmen des EU-Projekts „Europa als Übersetzungsraum“.
Johanna war ein feinfühliger und offenherziger Mensch mit Sinn für Gerechtigkeit und feinem Humor, immer solidarisch und kollegial. Wir werden sie sehr vermissen.
Brigitte Rapp im Namen des Vorstands
Nachruf von Daniel Winkler, Universität Heidelberg
