Utta Roy-Seifert (13.9.1926, Breslau/Wrocław – 6.5.2025, Wien)
Utta Roy-Seifert war ein Geschenk, ein Glücksfall für uns alle: immer zur richtigen Zeit zur Stelle und nicht zu übersehen und nicht zu überhören. Sowohl beim Hineinreklamieren der Übersetzerinnen und Übersetzer in sämtliche für Autorinnen und Autoren relevanten sozialen und rechtlichen Zusammenhänge als auch vor allem als aktive Begleiterin entscheidender Entwicklungsschritte des jüngeren literarischen Lebens in Österreich, etwa mit der Gründung einer Interessenvertretung der literarischen Übersetzerinnen und Übersetzer, bei der Entstehung des Literaturhauses Wien und der Etablierung des Writers-in-Exile-Projektes in Österreich. Am 6. Mai dieses Jahres ist sie im 99. Lebensjahr für immer von uns gegangen.
Als markante, auch streitbare Stimme im Literaturleben hat Utta Roy-Seifert außerordentlich viel für die Übersetzenden in diesem Land bewegt: Beginnend mit der Gründung des Berufsverbands (damals noch: Übersetzergemeinschaft) widmete sie einen großen Teil ihrer zweiten Lebenshälfte der Verbesserung der Lage der Literaturübersetzenden. Ihr verdanken wir unter anderem die öffentliche Anerkennung des Berufes durch den Österreichischen Staatspreis für literarische Übersetzung und eine umfangreiche staatliche Übersetzungsförderung sowie den Übersetzer∙innenpreis der Stadt Wien, ebenfalls mit vielen Förderungsmaßnahmen für das Literaturübersetzen. Vor allem aber hat sie aus einer kleinen zersprengten Gruppe eine gut vernetzte Gemeinschaft gemacht, die ihren Geist der Solidarität und des selbstbewussten Eintretens für unsere Rechte weiterträgt.
Utta Roy-Seifert war aber in erster Linie auch selbst Übersetzerin mit einem umfangreichen und vielfältigen Oeuvre von Übertragungen englischsprachiger Literatur. Angela Carter, Anita Desai oder Iris Murdoch sind hier u. a. zu nennen, aber mit Grace Nichols oder Ama Ata Aidoo auch Varianten des Englischen, die damals in der Verlagswelt noch kaum Beachtung fanden. 1992 wurde ihr übersetzerisches Lebenswerk mit dem Österreichischen Staatspreis für literarische Übersetzung ausgezeichnet. Für ihre mannigfaltigen Aktivitäten im Kulturbereich wurde ihr 1998 das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst verliehen.
Nicht nur die literarischen Übersetzerinnen und Übersetzer verdanken ihr die Anerkennung ihrer Arbeit als eigenständige literarische Leistungen, auch alle anderen im Literaturbetrieb schulden ihr großen Dank für das Erweitern der Perspektiven auf das literarische Geschehen auch außerhalb der eigenen Arbeitszusammenhänge, über Sprach- und Landesgrenzen hinweg und hinaus, sowohl was die internationale Zusammenarbeit betrifft als auch den Schutz verfolgter Autorinnen und Autoren.
Am 22. Mai um 13 Uhr nehmen wir am Gersthofer Friedhof Abschied von Utta Roy-Seifert.
Parte
Brigitte Rapp, Werner Richter, Gerhard Ruiss, Anja Malich, Robert Huez
Forum Literaturübersetzen Österreich
IG Autorinnen Autoren
Dokumentationsstelle für neuere österreichische Literatur
Literaturhaus Wien
