
Das Georges-Arthur-Goldschmidt-Programm richtet sich an junge Literaturübersetzer∙innen aus der Schweiz, Frankreich, Deutschland und Österreich. Als erste österreichische Teilnehmerin (gefördert vom BMEIA) berichtet Marina Faffelberger von ihren Erfahrungen:
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Die Teilnahme am Goldschmidt-Programm 2025 ließ mich gefühlt mehrere Jahre an Berufserfahrung auf einmal gewinnen. Während zwei intensiven Monaten nahm ich in einer Gruppe aus fünf französischsprachigen und fünf deutschsprachigen Übersetzer:innen an Ateliers für Literaturübersetzung mit Andreas Jandl und Juliette Aubert-Affholder teil, wo wir mit gegenseitigem Feedback intensiv an unseren eigenen literarischen Übersetzungsprojekten arbeiteten. Der Arbeitsmodus findet zum Teil im Plenum und zum Teil im Tandem statt, wobei letzteres sich jeweils aus einer Person mit Erstsprache Französisch und einer Person mit der Erstsprache Deutsch zusammensetzt.
Ansonsten standen viele Termine mit Akteur:innen am deutsch-französischen Buchmarkt am Programm: Wir lernten beispielsweise das Organisationsteam der Frankfurter Buchmesse, erfahrene Literaturübersetzer∙innen wie Andrea Spingler und Claudia Hamm und Fördermöglichkeiten kennen. Außerdem fanden fast dreißig Verlagsbesuche in Deutschland, in der Schweiz und in Frankreich statt, etwa bei Suhrkamp, S. Fischer, Arche Éditeur, Les Escales oder Rotpunkt. Im Gespräch mit Verleger:innen, Lektor:innen und Buchhändler:innen erhielten wir einmalige Einblicke in deren Herausforderungen und Visionen.

Marina Faffelberger (3. von rechts). Foto: Emma Gresinski
Was ich unter anderem aus der Zeit mitnehme ist, dass
📕 sich Französisch über Jahrzehnte hinweg unter den Top 3 meistübersetzten Literatursprachen am deutschsprachigen Buchmarkt hält,
📕 laut Statistiken hauptsächlich junge Leute zwischen 13 und 19 Jahren lesen,
📕 das Buch als kulturelles Gut durch die hohe Bildschirmzeit in unserer Gesellschaft stark bedroht ist,
📕 Literaturübersetzende zusammenhalten, sich gegenseitig unterstützen und gemeinsam für ihre Rechte kämpfen,
📕 die Verwendung der Daten, womit die sogenannte „künstliche Intelligenz“ gefüttert wird, eine massive Urheberrechtsverletzung darstellt (immerhin setzt sich der Großteil des Wissens aus allen Jahrtausenden der Menschheit aus schriftlichen Dokumenten zusammen, die Menschen erstellt haben, wie z.B. Bücher),
📕 es wunderbare Übersetzungshäuser in unterschiedlichsten Ländern gibt, wo Literaturübersetzende unter gewissen Voraussetzungen arbeiten können,
📕 Lesen unweigerlich bildet und deshalb so wichtig ist: sowohl was die Wissensbildung als auch die Bildung sozialer Fähigkeiten betrifft, wie z.B. die Steigerung des Einfühlungsvermögens,
📕 wer einmal am Goldschmidt-Programm teilgenommen hat, für immer Goldschmidt-Alumni bleibt und auf den Rückhalt vieler toller Kolleg:innen und Organisator:innen zählen kann,
📕 die Arbeit von Literaturübersetzenden unterbezahlt und nach außen hin beinahe unsichtbar ist,
📕 es unterschiedlichste Fördermöglichkeiten, wie die Förderung des Übersetzungshonorars, Förderungen für den Druck von Büchern, Förderungen von bestimmten Themen gibt, ohne die das wahrscheinlich Verlagswesen nicht funktionieren würde,
📕 alle Literaturübersetzenden sich weiterhin für ein faires Honorar, die Verwendung der Nutzungsrechte und Gewinnbeteiligungen einsetzen müssen,
📕 die Kunstform der Literatur essenziell für die Menschheit ist.
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Das Stipendienprogramm wird gemeinsam von der Frankfurter Buchmesse, dem Deutsch-Französischen Jugendwerk (DFJW), dem Bureau International de l’Édition Française (BIEF), dem österreichischen Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten (BMEIA) und der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia organisiert. Die Teilnehmenden erhalten ein monatliches Stipendium in Höhe von einmal 800 und einmal 900 Euro. Zum Teil werden auch die Reisekosten gefördert.
Das Programm wird alle zwei Jahre abgehalten, die nächste Bewerbungsphase findet also im Sommer 2026 statt. Am Programm stehen zwei Ateliers für Literaturübersetzen, Verlagsbesuche und Besuche von Kulturinstitutionen, die für den für den Buchmarkt wesentlich sind. Für die Bewerbung muss ein Literaturübersetzungsprojekt (mit freien Rechten für die deutsche/französische Sprache) eingereicht werden, mit einem dazugehörigen Exposee sowie einer angefertigten Probeübersetzung von 10 Buchseiten und einem persönlichen Lebenslauf. Ziel der Übersetzungsateliers ist es, an den zehn Seiten der Probeübersetzung jeweils im Plenum und im Tandem zu feilen.
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